„Hört auf die Jugend!“ – große Resonanz auf digitaler Podiumsdiskussion

Die Situation Jugendlicher während der Pandemie wird zu wenig in der Politik berücksichtigt. Junge Menschen werden zu sehr auf ihre Rolle als Schüler*innen reduziert. Darin waren sich die knapp 50 Teilnehmer*innen der digitalen Podiumsdiskussion „Uns gibt’s auch noch!“ einig, die wir gemeinsam mit den GRÜNEN Unterallgäu und unserem Bezirkssprecher Daniel Pflügl organisiert haben.

Einfach ist es nicht“, „die Krise macht mich einfach nur fertig momentan“ – die Aussagen von Jugendlichen in einem aktuellen Video des Kreisjugendring Unterallgäu stimmen nachdenklich, auch wenn die ungewisse Lockdown-Situation nicht allen gleichermaßen zusetzt. Kürzlich beklagten der Bayerische Jugendring und die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit Bayern, dass die Politik bei den Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie „Jugendliche und ihre Lebenswirklichkeit vollständig ignoriert“ habe.

Dieser Missstand war auch unserem Bundestagskandidaten Daniel Pflügl aufgefallen: „Wir wollten Jugendliche und Vertreter*innen der Jugendarbeit und -Politik zusammen bringen und über die Situation debattieren.“ Der Einladung waren knapp 50 Personen gefolgt, die sich in der Debatte rege einbrachten, denn das Thema brannte allen auf den Nägeln.

„Wenn Jugendliche Autos bauen würden, dann würden sie deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen,“ fasste Holger Jankovsky, Jugendbeauftragter des Kaufbeurer Stadtrats und ehemaliger Stadtjugendrings-Vorsitzender die Lage zusammen. Alexander Spitschan vom Kreisjugendring Ostallgäu pflichtete ihm bei: „Es heißt immer: Jugendliche sind unsere Zukunft. Aber in der Gegenwart denkt dann doch niemand daran, was für sie zu tun.“

Kein normaler Schulalltag möglich, Freizeitaktivitäten gestrichen

In der Pandemie fehlten vor allem die sozialen Kontakte, beschrieben Johanna Hölzle von der Grünen Jugend und Lukas Nanos vom Jugendbeirat Buchloe. Während Hölzle sich momentan unter erschwerten Bedingungen auf verschobene Abiturprüfungen vorbereitet, hatte es Nanos im vergangenen Jahr noch leichter, da noch nicht so viel Unterricht in den Lockdown fiel. Sehr viel hänge davon ab, wie viel Engagement die Lehrer*innen zeigen und wie die Situation zuhause ist. Eine Berufseinstiegsbegleiterin berichtete über die große Ungewissheit, die gerade unter Mittelschülern herrsche, da die normalerweise vorgesehenen Praktika nicht möglich sind.

„Von normalem Alltag oder normaler Prüfungsvorbereitung kann gar keine Rede sein.“

GJ-Sprecherin Johanna Hölzle berichtete direkt aus dem Home Office des Elternhauses

Ebenfalls komplett gestrichen: normale Freizeitaktivitäten Jugendlicher. Mehrere Teilnehmer*innen beklagten, dass die Jugendzentren weiterhin geschlossen sind, nicht einmal dem Click-and-Collect im Einzelhandel oder in Büchereien vergleichbare Angebote dürften sie aufgrund der unsicheren Rechtslage im Bereich der Jugendarbeit durchführen. Leiter der Einrichtungen stellen fest, dass Jugendzentren in den Hygieneverordnungen schlicht nicht erwähnt und damit auch nicht zugeordnet werden: Gelten Juzes als Bildungseinrichtungen? Als Herbergen? Wie sollte also das Hygienkonzept für die Einrichtung demnach richtig konzipiert sein und wann sind Öffnungen wieder möglich?

Größere Lobby für Jugend und direkte Beteiligungsmöglichkeiten gefordert

Dennoch ließen sich die Jugendringe nicht entmutigen und bereiten sich mit ausgearbeiteten Hygienekonzepten auf die Durchführung der nächsten Ferienbetreuungsangebote vor – trotz der Unklarheit, die erst kurzfristig durch die Beschlüsse der Bund-Länder-Gipfel beseitigt wird, wenn überhaupt.

Moderator Daniel Pflügl versprach, sich für die Belange der Jugend einzusetzen und die Forderungen in seine Arbeit auch im Kreistag und anderen Ebenen einfließen zu lassen. Zudem appellierte er mit Blick auf die Kampgagne #hörtaufdieJugend, die der Bayerische Jugendring lanciert hatte, an die Jugendlichen, auch stachelig und hartnäckig bleiben, und ihre Anliegen laut und selbstbewusst im politischen Prozess einzubringen, Beteiligung einzufordern. Verschiedene Teilnehmer berichteten von ihren Erfahrungen mit und in Jugendparlamenten – ein Konzept, das differenziert und kontrovers diskutiert wurde. Auch die Forderung, das Wahlalter herabzusetzen, fand durchaus Zustimmung in der Runde und im Publikum.

Die Beteiligten machten deutlich, dass sie bereit sind, in der Pandemie Verantwortung zu übernehmen und bei etwaigen Öffnungen den Infektionsschutz nicht außer Acht lassen würden. Trotz aller Hindernisse fanden die Gäste ein positives Fazit. Mit Optimismus und Kreativität ließen sich auch neue Ideen und ungewohnte Konzepte umsetzen. „Wir können noch stärker zusammenwachsen, etwas auf die Beine stellen, um auch über die Pandemie hinaus gesehen und gehört zu werden“, so Sandra Müller vom KJR Unterallgäu. Ähnlich zuversichtlich fiel das Fazit von Spitschan aus: „Bei allem Schlechten sehe ich eine Chance, in vielen Bereichen Dinge besser zu machen, wach zu bleiben, und aus der Krise zu lernen“. So war auch die digiteale Veranstaltung selbst ein Beispiel dafür, wie man im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten zusammenrücken und den Austausch untereinander fördern kann.


Das war das Titelbild für die gelungene Online-Podiumsdiskussion über die Situation von Jugendlichen und der Jugendarbeit während der Corona-Pandemie.


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